Synodenbericht von Kai Koeser

Nachricht Stade, 19. Januar 2021

Im Februar letzten Jahres trat die neu gewählte Synode der Landeskirche Hannovers zum ersten Mal im Henriettenstift in Hannover zusammen. Damals hat noch keiner der 80 Synodalen ahnen können, was für ein Jahr auf uns alle zukommen würde. Die Arbeit sollte sich komplett anders gestalten als wir alle dies erwartet hatten.

Auf dem Foto: Kai Koeser, Mitglied der Landessynode und Mitglied des Kirchenvorstandes der Johannisgemeinde

Eine jüngere, weiblichere Synode

Die Landessynode ist das Parlament der kirchlichen Selbstverwaltung unserer Landeskirche. Sie wird alle 6 Jahre gewählt und tritt 2 bis 3 mal im Jahr in Hannover zusammen. Die 80 Synodalen setzen sich aus Pastor:innen, hauptamtlich Beschäftigten der Kirche und Ehrenamtlichen zusammen.  Die aktuelle 26. Landessynode ist jünger und weiblicher als die vorherigen. Das Durchschnittsalter liegt mit 48 etwa 5 Jahre unter dem der 25. Synode. 13 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt. Die Frauen sind mit 42 Synodal:innen in der Mehrheit. Die Mehrheit der Synodalen sind das erste Mal im Kirchenparlament. Man konnte während der I. Tagung also durchaus von einer Art Aufbruchstimmung sprechen. 

Konstituierung und Blick in die Zukunft (I. Tagung)

Die erste Tagung war dominiert von der Konstituierung. Mit der Wahl von Ausschüssen und Gremien hat die Synode sich arbeitsfähig gemacht. Hierbei wurde deutlich, dass die neue Synode um große Offenheit bemüht ist, so dass jede: r auch dort wirken kann, wo er/sie am besten aufgehoben ist. Es gab einen Blick zurück auf die Arbeit der 25. Synode. In einer Diskussion ging es jedoch auch um die strategischen Herausforderungen und künftigen Arbeitsschwerpunkte für unsere Kirche. Das “Ende einer Ära” stellte der Abschied von Alt-Bischof Dr. Horst Hirschler als Abt zu Loccum dar, der seit 1971 in verschiedenen Funktionen der Synode angehört hatte. Eine Zäsur in der Tagung bildeten die rassistischen Morde in Hanau. Die Synode nahm geschlossen an einer Mahnwache vor der Marktkirche teil.

Reformen in herausfordernden Zeiten (II. Tagung)

Aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen arbeiten die Ausschüsse vornehmlich digital. Die Synode trat im Juli jedoch mit einem strengen Hygienekonzept zu einer verkürzten eintägigen Tagung in Hannover zusammen. Die Synodalen mussten wichtige Kirchengesetze beschließen, um die Landeskirche auch in der Pandemie arbeitsfähig zu halten. Ganz oben auf der Beratungsliste standen auch die finanziellen Auswirkungen der Krise. Diese werden sich auf alle Bereiche der Landeskirche auswirken. Unabhängig von der aktuellen Krise wird bis 2030 mit Mindereinnahmen von bis zu 450 Mio. € gerechnet. Es wird also zu Einsparungen kommen müssen.  

Synode im Home-Office (III. Tagung)

Die III. Tagung im November wurde dann digital abgehalten. Das war für alle Synodale und die Mitarbeiter im Landeskirchenamt eine enorme Herausforderung. 4 Tage von früh bis spät vor dem Bildschirm - live übertragen im Internet. Dazwischen digitale Sitzungen der Ausschüsse und Gremien. Aber es mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden: der Haushalt 2021/22 wurde verabschiedet. Dieser ist dank umsichtiger Einsparungen trotz Mindereinnahmen noch ausgeglichen. Eine gute Nachricht. Auch für die Zukunft wurden Weichen gestellt: die Digitalisierung der Landeskirche wird vorangetrieben, der Aufbau von kirchenmusikalischen Regionalzentren für Popularmusik und die Fortsetzung des Förderprogramms “Kulturarbeit in Kirchen”. Das bedeutet, dass u.a. die Kulturkirche in Bremerhaven ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann.  

Menschen, die sich für die Kirche einsetzen

Auch wenn die Arbeit in der Synode sich ganz anders gestaltet hat, als ich dies erwartet hatte, bin ich sehr dankbar auch an dieser Stelle unsere Kirche mitgestalten zu dürfen. Es ist beeindruckend und inspirierend zu sehen, wie engagiert sich so unterschiedliche Menschen mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten unter großem Einsatz für unsere Kirche engagieren. Die Entscheidungen der nächsten Jahre werden z.T. schwer sein und weitreichende Folgen haben. Diese Synode wird aber weiter um gute Entscheidungen ringen - unter Gottes Hand.  

Kai Koeser, Mitglied der Landessynode und Mitglied des Kirchenvorstandes der Johannisgemeinde

Stade, im Januar 2021