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MARKUSKIRCHENGEMEINDE WEIHT NEUBAU IN HAHLE EIN

einweihung
Foto: Daniel Beneke 

 

STADE. Lediglich die Postadresse bleibt gleich, ansonsten hat das neue Gemeindehaus der evangelischen Markuskirchengemeinde mit dem maroden Altbau nichts gemein. Am Lerchenweg ist eine moderne Begegnungsstätte entstanden.Die offizielle Einweihung vollzogen die Pastoren Christian Berndt, Volker Dieterich-Domröse und Dr. Dominik Wolff am Sonntagvormittag mit einem Festgottesdienst in der voll besetzten Markuskirche. Anschließend besichtigten die Gäste die neuen Räume.

Feuchte Wände, zugige Fenster, bröckelige Treppen – der Sanierungsbedarf am alten, 1974 bezogenen Gemeindehaus war immens. Hinzu kam, dass die insgesamt 376 Quadratmeter umfassenden Räume selten komplett genutzt wurden und die Büros im Keller für ältere Besucher nur schwer erreichbar waren. Zeitweise zählte die Gemeinde aber auch 9000 Mitglieder, heute sind es 5000. Mit dem 210 Quadratmeter großen und lichtdurchfluteten Neubau, der Platz für Büros und drei mit Trennwänden verbundene Gruppenräume bietet, rückten weltliches und geistliches Leben der Protestanten näher zusammen, befand Pastor Christian Berndt, der dem Bauausschuss des Kirchenvorstandes vorsteht, in seiner Ansprache. Entstanden sei ein Haus „für alle, die Zuflucht und neue Kraft suchen und auch für diejenigen, die ihre Gaben für andere einsetzen möchten“. Die Stader Tafel erhält einen eigenen Raum, in dem sie Lebensmittel an Bedürftige ausgibt.

Der Clou: Gemeindehaus und Kirche haben fortan ein gemeinsames Foyer. Der Eingang, den auch die Gottesdienstbesucher nutzen, liegt nun auf der anderen Seite der Kirche und damit näher am Zentrum des Stadtteils, sagte Pastor Volker Dieterich-Domröse: „Das ist ein wichtiger Gedanke für unser Verständnis von Gemeindearbeit, die wir nicht abgeschottet in einer Wagenburg machen wollen, sondern auf Augenhöhe mit den hier lebenden Menschen.“ Er erinnerte an die aufwendige Planung, die der Realisierung des Entwurfes von Architekt Assmus Buttge vorausging. Vikarin Sarah Oltmanns regte vor acht Jahren an, ein neues Gemeindehaus an die andere Seite der Kirche anzubauen. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Bauausschusses nahmen die Idee auf und schmiedeten Pläne. Vergangenes Jahr feierte die Markusgemeinde die Grundsteinlegung und das Richtfest.

Eigentlich hätte der Bau längst bezogen sein sollen, hätte nicht ein Wasserschaden für eine achtwöchige Verzögerung gesorgt. Ausgerechnet eine falsch montierte Schraube in einem Spülkasten sorgte kurz vor Weihnachten dafür, dass der komplette Bau geflutet wurde und das Wasser sogar in die im Keller unter der Kirche liegenden Büroräume der Jugendarbeit tropfte. Doch der Ärger ist inzwischen verraucht, der Umzug vor zwei Wochen erfolgreich über die Bühne gegangen. Jetzt fehlen nur noch Bilder an den Wänden, Schilder an den Türen sowie Pflanzen und Lampen im Außengelände.

Um die Baukosten zu finanzieren – jeweils 160 000 Euro gaben Landeskirche und Kirchenkreis, 32 000 Euro spendeten die Gemeindemitglieder – mussten die Protestanten ihr altes Gemeindehaus und eine angrenzende Wiese verkaufen. Der Kreisverband Stade des Deutschen Roten Kreuzes errichtet hier eine Tagespflege mit 15 Plätzen, die am Freitag, 19. Mai, von 11 bis 19 Uhr mit einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht wird. Auf dem Grundstück wird ebenfalls eine Anlage für Betreutes Wohnen mit zehn Wohnungen entstehen. Das Gemeindehaus selbst soll zu einer Sozialstation mit Café umgebaut werden, wo ein Mittagessenangebot geplant ist, wie Rotkreuz-Präsident Gunter Armonat in seinem Grußwort ankündigte. „Wir freuen uns für den Stadtteil Hahle“, sagte er und bezog sich auf Kindergarten, Grundschule, Sporthalle, Kirche, Behindertenwerkstätten sowie Senioreneinrichtungen in der Nachbarschaft.

„Wir in der Markuskirchengemeinde sind mal wieder ganz vorne weg, indem wir für die sozialen Belange von Pflege und Wohnen im Alter ein großes Grundstück zur Verfügung gestellt haben. Ich denke, dass würde auch anderen Kirchengemeinden gut anstehen“, resümierte Pastor Volker Dieterich-Domröse.

Quelle: von Daniel Beneke, Stader Tageblatt vom 13.März 2017 

 

Diakon koordiniert seit Jahresbeginn Netzwerk

Foto: Beneke 

STADE. Sein Terminkalender wird immer voller, ein Antrittsbesuch folgt dem nächsten. Kein Wunder, denn Matthias Witzig ist neu in Stade. Seit Januar fungiert er als hauptamtlicher Koordinator der Initiative „Nachbarn im Stadtteil“, die Freizeitangebote für Menschen aus Hahle, Haddorf und Wiepenkathen ins Leben ruft.

Der 58-Jährige bekleidet eine zunächst auf drei Jahre befristete Vollzeitstelle als Diakon und Projektkoordinator. Offizieller Träger ist die evangelisch-lutherische Markuskirchengemeinde. Finanziert wird seine Arbeit von der Wohnstätte Stade, dem Innovationsfonds der Hannoverschen Landeskirche und aus Spendengeldern. Witzig versteht sich als Ansprechpartner für alle Bewohner der Stadtteile Hahle, Haddorf und Wiepenkathen – unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder Herkunft. Schwerpunktmäßig möchte er die Aktivitäten des Netzwerks „Nachbarn im Stadtteil“ koordinieren und ausbauen.

Vor eineinhalb Jahren fanden sich auf Initiative von Markuskirchenpastor Volker Dieterich-Domröse und Haddorfs Ortsbürgermeister Torsten Schmidt dutzende Bürger zusammen, um eine bedarfsgerechte Seniorenarbeit auf die Beine zu stellen. Viele ältere Menschen wünschten sich spannende Freizeitangebote vor Ort, so dass sich binnen weniger Monate unter anderem Handarbeits-, Sport- und Kochkurse bildeten. Das Engagement trägt Früchte: Am Haddorfer Waldrand konnte im Juni ein neuer Boule-Platz eingeweiht werden; in der Vorweihnachtszeit organisierte das Netzwerk einen „Lebendigen Adventskalender“.

Nun ist es an Witzig, weitere Mitstreiter für die bestehenden Gruppen zu finden und zusammen mit den Menschen aus den drei Stadtteilen zusätzliche Angebote anzuschieben. Er wünscht sich, dass die Bürger in ihren Vierteln lernen, stärker aufeinander zu achten und füreinander Verantwortung übernehmen. Dazu zählen Einkaufshilfen und Botengänge für Kranke und Alte ebenso wie kleinere Reparaturen in der Wohnung des Nachbarn. Witzigs Ziel ist „ganz viel Begegnung“ zwischen den Einwohnern von Hahle, Haddorf und Wiepenkathen.

Ihm liegen besonders die generationenübergreifenden Zusammenkünfte am Herzen. Er möchte alle wichtigen Institutionen – Kindergärten, Schulen, Vereine – an einen Tisch bringen: „Nur so können wir in Fällen von akuter sozialer Not schnell reagieren.“ Denkbar seien auch Projekte mit Jugendlichen, Migranten und Flüchtlingen.

In den letzten Tagen hat der Diakon bereits erste Kontakte zu Kirchenvorstehern, Netzwerkgruppen und Seniorenkreisen geknüpft: „Ich bin mir sicher, dass ich in dieser lebhaften Gemeinde sehr gute Partner finden werde. Die Leute haben tolle Ideen“, freut sich der Projektmanager, der jahrzehntelange Erfahrung in der sozialdiakonischen Arbeit mitbringt.

Witzig wurde 1957 in Wolfenbüttel geboren. Er wuchs im Harz auf, ging in Goslar zur Schule. Nach einem Studium der Religionspädagogik in Hannover zog es ihn in den Kirchenkreis Gifhorn, wo er in der Jugendarbeit tätig war. Parallel ließ sich Witzig zum Supervisor ausbilden, bietet seitdem zusätzlich Ehe- und Lebensberatung an. Ein neunjähriger Auslandsaufenthalt führte ihn nach Toulouse. Dort half er beim Aufbau einer deutsch-christlichen Gemeinschaft. Zuletzt kümmerte sich Witzig für den Kirchenkreis Burgdorf um sozialpädagogische und musikalische Projekte. Neben dem Radfahren gilt seine größte Leidenschaft nämlich der Musik. Der 58-Jährige spielt Gitarre, singt und schreibt eigene Stücke. Mit zwei befreundeten Instrumentalisten gründete er das „Matthias-Witzig-Ensemble“; das Trio gibt „ausdrucksstarke Chansonpoesie“ zum Besten. Die „Lieder über das Leben“ sollen ihn auch in Stade bekannt machen. Am 1. März gibt der Liedermacher ab 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Wiepenkathen ein Begrüßungskonzert.

Kontakt: 0 41 41 / 84 20 8, matthias.witzig(at)evlka.de.

www.nachbarnimstadtteil.de

Quelle: Text von Daniel Beneke, Stader Tageblatt vom 12.02.2015